Warriors without Weapons

Paraty und São Paulo

9. Tag in Santos, ich wollte schon längst hier wieder was schreiben, doch das ist kaum möglich, da es ein straffes Programm gibt. Ich versuche mal, die letzten Tage zusammenzufassen. Nach dem Besuch der Ilha Grande ging es nach Paraty und von da aus zwei Tage später nach Sao Paulo. Die Stadt gefällt mir vom ersten Eindruck her besser und ich werde nach dem Programm wieder da hinfahren und sie noch besser kennenlernen 🙂

 

 

My new home in Santos

Das Programm „Warriors without Weapons“ ist am 2.7. gestartet, mit dem Bus ging es nach Santos und mit Uber zu unserer Unterkunft. Seitdem bin ich hier und habe jeden Tag Programm (6:30 aufstehen, 7:00 Frühstück, 7:50 große Morgenrunde, 8:00 Start, dann unterschiedliche Aktivitäten mit Mittags- und Kaffeepause, 19:30 Abendbrot, 20:30 bis 22:00 Programm,… schlafen). Wir sind 41 Warriors und ca. 20 vom Elos Team.  Wir wohnen alle zusammen unter einem Dach, 24/7. 

 

First days with the warriors

Zum Inhalt und der Philosophie des Programms schreibe ich später mehr, hier erstmal die Eindrücke der letzten Tage…

In den ersten Tagen gab es Kennenlernspiele und Austausch untereinander. Es wurden 7 Gruppen gebildet, jeden Tag übernimmt eine Gruppe eine Aktivität in der Gemeinschaft (Wecken, Abwasch, Hosting, Verschönern, Kompost, Austausch, Ausruhen). Dazu wurden wir einer von 3 Communities zugeordnet.

 

Welcome in Vila dos pescadores

Wir sind 13 Warriors und 3 Facilitators und fahren mit dem Bus in unsere Community – ab jetzt ist das unsere zweite Heimat. Wir tragen einheitliche gelbe T-Shirts und laufen durch die Straßen. Mit verbundenen Augen erkunden wir am ersten Tag die Gegend, um unvoreingenommen in die neue Umgebung zu starten. Wir befinden uns in Vila dos Pescadores (Dorf der Fischer) und tauchen in die Welt ein, erkunden Pfade, den Hafen, das Zentrum. Tief hinein geht es zwischen engen Gassen über konstruierte Holzplatten und Stege zu den Palafitas. Da, wo der Betonweg aufhört, stehen Häuser bzw. Hütten auf Stelzen mit alten Autoreifen verstärkt, darunter Wasser, Müll, Plastik. Es ist wie ein Labyrinth mit wackligem Boden, mal eine Sackgasse, mal ein Weg, der durch Schlamm führt. Zwischen den Häusern manchmal Müllhaufen oder Hütte an Hütte, Hunde bellen und überall streunen Katzen. Wer sich hier auskennt, kennt die Wege und weiß, wo ein Brett zu wacklig ist, um Einen zu Tragen. Es ist neu, es ist anders… und plötzlich stehst Du wieder auf festem Betonboden neben Häusern. 

Vila dos Pescadores

Die nächsten Tage lernen wir nach und nach Bewohner kennen, unterhalten uns, tasten uns langsam voran. Es gibt verschiedene Aufgaben, paarweise bewegen wir uns durch die Community und fragen die Bewohner nach ihrem Leben, später nach ihren Talenten und heute nach ihren Träumen. Gestern gab es eine Talentshow für die Bewohner, ca. 80 Menschen sind zusammengekommen, abwechselnd tanzen Kinder Ballett, rappen und führen Gymnastik vor.

 

Show de Talentos

Ein alter Mann spielt Akkordeon, eine Frau Gitarre, ein Fischer erzählt seine Geschichte. Es ist bunt, die Lichter erleuchten die Bühne. Es ist nass und kalt, doch der Hafen erfüllt von Lachen und Klatschen. Wir stellen uns kurz vor und tanzen zum Abschluss mit den Kindern. Die Show wurde innerhalb weniger Stunden auf die Beine gestellt, ich hatte nicht erwartet, dass alles so klappt. 

 

Group activities in Santos

Was alles so geschah die letzten Tage kann ich hier gar nicht wiedergeben, ich komme weder dazu, mein Tagebuch noch meinen Freunden so zu schreiben, wie ich gern wollte. Der Blog musste auch leiden. Ich bin erschöpft, hätte gerne eine Massage, esse viel zu viel, habe zu wenig Schlaf und momentan friere ich – Winter in Brasilien 🙂 Neben den Tagen in der Community lernen wir in Santos soziale Methoden kennen, beschäftigen uns mit Fragen zu Empowerment und Ungleichheit, führen Gespräche, setzen uns mit der Elos Philosophie auseinander (wie gesagt, dazu später mehr), führen Gruppenaktivitäten durch. Dazwischen gibt es Tage zu den vier Elementen (Erde, Wasser, Luft, Feuer) – dazu auch später mehr. Ich könnte einen Roman schreiben, doch erstmal beende ich diesen Beitrag 🙂

Welcome to Brazil

Es ist Sonntag und wie es sich gehört, verbringen wir den auf einer Insel. Wir sind auf der Ilha Grande, in Brasilien, südlich von Rio, an der Ostküste, also am Atlantik.

Ich spule kurz zurück, denn ich bin seit Dienstag in Brasilien.

Was bisher geschah:

Landeanflug Rio

Am 18.6. ging der Flug – 19:00 Abflug nach Frankfurt, quer durch den Flughafen zum Abfluggate, in den Flieger, Ankunft in Rio ca. 4Uhr morgens, Gepäck holen, ins Taxi, Gespräch per Translator app – super praktisch, der Taxifahrer spricht, die app übersetzt und wir antworten ebenso, so geht die neue Kommunikation 🙂 Der Fahrer meinte, er freut sich sehr darüber, denn vorher konnte er sich nicht mit seinen Fahrgästen unterhalten. Ich fand es auch TOP!

 

Copacabana – Blick vom Hotel

Ins Hotel, spontan frühen Check-In gebucht, geduscht und zum Frühstücksbüffet, erstmal Kaffee und Essen…). Schlafen im Flugzeug hat nicht so richtig geklappt, so dass wir komplett übermüdet den Dienstag verbracht haben. Um sich an die Zeitumstellung zu gewöhnen (-5h), sind wir nicht (wie gefühlt dringend benötigt) ins Bett gefallen, sondern haben eine ganz schöne Strecke per Fuß zurück gelegt. Wir starten an der berühmten Copacabana, na klar, wenn schon, dann von hier, oder?

 

Entspannen an der Copacabana

Am Strand entlang geht es nach Ipanema, Sand und Meer links, Radweg und Autoverkehr rechts, über uns die pralle Sonne – links Sonne, rechts Schatten. So richtig echt fühlt sich das noch nicht an, dafür sind wir einfach zu kaputt. Wir sind in Brasilien!!! Immer wieder versuchen wir, das zu begreifen 🙂 Der erste Tag verlief mit Erkunden der Gegend, vor allem der Strände.

 

 

Da wir etwas vorgewarnt sind von Überfällen und Diebstahl, haben wir fast nichts dabei und entscheiden uns für das Tragen unserer Gegenstände in einer Plastiktüte vom Supermarkt (die muss immer wieder gewechselt werden, da sie super dünn ist, ist aber die beste Handtasche für Rio – jeder hat eine). Wir haben die Metro ausprobiert und kommen mit unserem Mix aus Englisch, Spanisch und minimal Portugiesisch gut voran.

Rio von oben – Christo Statue

Zweiter Tag: Besuch der Christo Statue – Corcovado, mit dem Bus 583 ging es hin und mit dem Taxi zurück – dann zum Strand, mit den Füßen im Sand und im Atlantik und der erste Caipirinha an der Copacabana an einem Kiosk, was für ein Leben!

 

 

Auf zum Zuckerhut

Dritter Tag: auf zum Zuckerhut, mit der Cable Car hoch hinauf und dann… ein fantastischer Ausblick!!! Noch schöner als gestern und so viel gibt es zu sehen von oben: Gebirge, Stadt, Wasser, Wälder, Hochhäuser, Stadion, Flughafen, Schiffe, Strände… eingebrannte Erinnerungen in meinem Kopf, wahnsinnig schön!!! Zum Abschluss nochmal Ipanema und die Visconde de Pirajá mit ihren Boutiquen, Cafés, Restaurants und kleinen Parks und zur Av Nossa de Copacabana, unterwegs ein Eis, ein Espresso und Pastel de Nata zum Mitnehmen, am Strand ein Caipi, weil es so schön ist, neben uns Straßenverkäufer mit Hüten, Ketten, Tüchern, Magneten und Brasilien T-Shirts. Am Strand wird gejoggt, Fußball und Volleyball gespielt, von morgens bis abends. Achja, es ist WM, deshalb läuft überall Fußball – in jedem Restaurant, Cafe, Kiosk, in der Apotheke und im Taxi. 

Rio Centro and Santa Teresa

Vierter Tag: Wir haben einen Tag verlängert und gehen ins Centro. Achja, vorher noch das Brasilien Fußballspiel schauen – vor einer Bar mit unzähligen anderen. Die Straßen sind wie leergefegt, man hat das Gefühl, alle schauen Fußball. Es ist 10:00 morgens. Nach langer Anspannung endlich das Tor, die Leute jubeln, dann das zweite und eine Erleichterung geht durch die Luft, Taxifahrer hupen, Menschen lachen und jubeln, die Bar leert sich und die Straßen füllen sich wieder. Wir fahren ins Centro und laufen über Straßenmärkte, vorbei an alten Prachtbauten, modernen Hochhäusern und besuchen die Kathedrale São Sebastião, die an eine Pyramide oder ein Raumschiff erinnert. Wir gehen den “Rio walk” – eine ausgeschilderte Route durch die Stadt, vorbei an laut spielenden Straßenmusikern und den Arcos de Lapa (Bögen von Lapa – früher Aquädukte) zur (seit dem 19. Jahrhundert bestehenden) Bonde – der ältesten Straßenbahn in Südamerika – nach Santa Teresa. Dieses Stadtviertel befindet sich hoch oben, ist ein entspanntes Viertel belebt von Künstlern, mit Malereien und Graffiti an den Wänden, kleinen Kunstläden, Gallerien und schönen Cafés. Wir genießen den Ausblick von dem Parque des Ruinas – einer Ruine mit moderner Gallerie. Zum Abschluss geht es auf das Dach des Hotels – ein letzter Caipirinha und damit verabschieden wir uns von Rio.

Kurze Bemerkung am Rande zu Rio: wir sind noch etwas angespannt und noch nicht im Urlaub angekommen. Zum Einen haben wir Respekt vor der Dunkelheit – hier ist Winter und die Sonne geht bereits 17:30 unter, sodass es ziemlich schnell dunkel wird und wir wollen dann nicht mehr auf der (unbelebten) Straße sein – wir haben von steigender Kriminalität, zu vielen Überfällen und Übergriffen auch in ehemals noblen Vierteln gehört. Zum Anderen ist an der Copacabana viel Militär unterwegs. Für uns ein ungewohntes Bild – links der Strand, rechts an jeder Kreuzung ein Jeep und das Militär. Wir versuchen herauszufinden, warum, erfahren aber nicht viel (später lesen wir von 7 Toten, die vor einer Woche in Urca gefunden wurden und dass am 21.6. bei einer Razzia in einer Favela Menschen gestorben sind, beides in angrenzenden Stadtteilen).

Jetzt sind wir also der Stadt entflohen – mit dem Shuttlebus 3h nach Angra dos Reis und mit der Fähre zur Ilha Grande. Zwischen Palmen, sattem Grün, Bergen, Regenwald und Meer kommen wir jetzt in Urlaubsstimmung – Welcome Inselfeeling!

Neues Jahr – neue Herausforderung! Es geht nach Brasilien!!

Und es geht wieder los! Nein, nicht nur auf Reisen, ich begebe mich in ein neues Abenteuer! Es geht nach Brasilien und dort werde ich mit 59 anderen Teilnehmern aus aller Welt in einer Gemeinde in Santos bei Sao Paulo leben.

Aber nochmal von Anfang an: Vor einigen Jahren habe ich von dem Programm „Warriors without Weapons“ („Kämpfer ohne Waffen“) in Brasilien gehört. Damals habe ich mir das Ganze sozusagen aus der Ferne angesehen. Dieses Jahr bin ich dabei!

Das Programm geht insgesamt 14 Monate und einer davon ist der intensivste vor Ort in Brasilien. Innerhalb diesen Jahres stelle ich mich verschiedensten Herausforderungen, um mich selbst weiterzuentwickeln und die gesetzten Ziele zu erreichen.

Im November 2017 habe ich mich dafür beworben. Im Januar sagte ich JA und begann den YES Path – ein Online-Auswahlverfahren mit praktischen und kollektiven Aktionen. Daraufhin folgten 3 Monate intensive Auseinandersetzung mit meiner eigenen Motivation, mit Menschen um mich herum und der Umgebung, in der ich lebe. In dieser Zeit galt es, mehrere Aufgaben zu erfüllen: ich übte mich im Upcycling, träumte von einem Ort, der unterschiedlichste Menschen in der Stadt willkommen heißt und auf dem Tauschprinzip beruht, entwarf ein Konzept und stellte es anderen vor.

In der Zeit entstand auch die „kindnessweek“: in der Woche vom 19. bis 25. März 2018 fanden in allen 17 Ländern der Teilnehmer Aktivitäten statt. Alle Aktivitäten standen unter dem Motto: die Welt ein kleines bisschen besser machen und andere daran teilhaben zu lassen – durch kostenlose, spielerische Aktionen. Wir überraschten Menschen auf dem Ostermarkt, verschenkten Luftballons und Komplimente, verteilten frohe Botschaften in der Stadt auf öffentlichen Plätzen und in den sozialen Medien.

Im April war es dann soweit: von den über 150 Bewerbern wurde ich ausgewählt, um mit 59 anderen aus Europa, Afrika und Südamerika am Programm teilzunehmen.

Jetzt bin ich wirklich dabei und fliege in drei Wochen nach Brasilien!

Mit dieser Entscheidung ging es auch schon direkt in die nächste Herausforderung eingestiegen: das Abundance Game – der Fundraising Prozess ist gestartet. Jetzt brauche ich Eure Unterstützung! Es werden Ressourcen gesammelt, um das Programm und meine Teilnahme daran zu finanzieren.

Das Video ist gedreht (https://youtu.be/9WbGLo6lAsQ) und die Kampagne (Gofundme) erstellt. 

Ihr könnt mich auch über Paypal unterstützen, dafür habe ich einen Paypal Money Pool eingerichtet. Das Geld geht von beiden Plattformen dann an das Elos Institut. Sollte ich mehr Geld sammeln als benötigt, wird der Überschuss direkt anderen Teilnehmern und an deren Kampagnen weitergegeben.

Begleitet mich auf meiner Reise ins spannende, aufregende Unbekannte!

Happy Days – vom Streetfood zur Top of Hanoi

Die Reise neigt sich dem Ende zu und was gibt es besseres als ein Abschluss mit Mojito in der Bar „Top of Hanoi“! Die letzten Tage waren so vielfältig und sie gingen mal wieder viel zu schnell vorbei!

Jetzt bin ich in Hanoi, meiner letzten Station und habe gestern den Ausblick im 65. Stock vom Lotte Tower aus genossen. Nach einem Tag Gewöhnung an das hektische Stadtleben habe ich wieder gelernt, die Straßen zu überqueren, Händler abzuwinken, ein Taxi zu rufen und mich einigermaßen zurechtzufinden. Ich habe das Old Quarter durchstreift, viel Kaffee getrunken und liebe inzwischen Kaffee mit gesüßter Kondensmilch und Eiswürfeln. Ich habe Frauen bei Tai Chi am See beobachtet, beim Golf spielen mit Federbällen, wieder Tempel und Pagoden besucht, einen versteckten Tempel gefunden, im Hoa Lu Gefängnis Geschichte gesehen, eine Massage genossen und mit Studenten eines Englisch Kurses ein Interview auf Video festgehalten, zwei neue Facebook Freunde bekommen und vietnamesische Wörter gelernt. Ich habe Banh Mi, Wonton Nudeln, Salat getarnt als teures Gemüse mit Soya-Soße, Früchte, Reis-Eis und frittierte Süßigkeiten gegessen; gelernt, dass vegetarisch nicht gleich vegetarisch ist und erfahren, dass es hier 4D und 5D Kinos gibt.

Heute also wirklich letzter Tag. Ich saß eben noch in Hanoi am Gate 36 und hatte auf Wifi gehofft. Das gibt es, nur leider funktioniert es nicht… Heute morgen bin ich mit Na von Hanoifreetourguides unterwegs gewesen. Wir sind mit dem local Bus gefahren und haben Pho gegessen. Mein mehrmaliges Fragen nach Orten außerhalb des Old Quarters hat leider keinen Erfolg gebracht. Wir sind nicht weit rausgekommen. Ihre Antwort war leider immer „that’s too far, you can’t reach it,…“ sehr enttäuschend, gerade deshalb fand ich die Idee doch so toll, mit Studenten aus Hanoi unterwegs zu sein. Mhm… naja auf jeden Fall weiß ich jetzt, dass man im Bus seinen Rucksack nach vorn trägt und in jedem 7.000VnD bezahlt, sobald man in einen anderen Bus umsteigt, wieder 7.000VnD. Das war etwas ungünstig, wir haben drei Busse genommen, nicht viel mehr hätten wir fürs Taxi bezahlt. Besonders komisch, da zwei Vietnamesen uns andere Busse vorgeschlagen hatten, die direkt dahin fahren, mhm… Naja, wir sind dann im Temple of Literature gelandet und haben im Anschluss Kaffee getrunken. Ich glaube sie mochte mich nicht oder hatte keine Lust auf meine Fragen (ich hatte versucht, endlich mal n bisschen echte Konversation zu führen mit Diskussionspunkten und nicht wie üblich Fragen, wie „Where are you from, how long have you been in Hanoi, where have you been in Vietnam…“ zu beantworten. Gut, das hat nicht funktioniert 😉 Ab aufs per Über bestellte Moped zum Vietnamese Women’s Museum… 4 Stunden später: es ist 17:00. Ups – ich bemerke, dass der Plan mit noch ein Kaffee trinken, Souvenirs shoppen und Buch lesen mal wieder nicht aufgeht… also schnell rein zum Supermarkt, was kaufen, beim ersten ATM vor verschlossenem Tor stehen, beim Zweiten kein Geld bekommen und dann beim Dritten bei der Citybank ganze 60.000VnD Gebühren bezahlen, Kindern bei der Probe des Tanzes zum morgigen Earth Day zusehen, durch die Mopeds schlängeln, durchatmen, Backpack nochmal auf- und zumachen, frittierte Schweinestücke essen, Pass nehmen, Homestay bezahlen, mit dem Neffen unterhalten, zum 100sten Mal checken, dass ich alles habe, Backpack in den Kofferraum vom Auto werfen, einsteigen, Schuhe zubinden, durchatmen, noch einmal durch Hanoi fahren, zum Check-In gehen, Gepäck aufgeben, durch die Security und Immigration, zum Gate, noch die letzten Dong im Souvenirshop ausgeben, am Gate warten, in den Flieger einsteigen und… jetzt sitze ich hier, in der B777-300, Platz 20K, draußen sind 25 Grad, gleich gehts los… 
Solltest Du noch Leselust haben, hier noch der Schnellablauf der letzten Tage 🙂


In Dalat habe ich gewundene Treppen rund um das Crazy House bestiegen, meinen Mund beim Staunen über die Vielfältigkeit der Architektur kaum zubekommen, die größte Dalat-Weinflasche photographiert, fand mich wieder zwischen Selfiesticks im kitschigen Flowergarden, habe eine Fahrt in der Cinderella Kutsche und dem Plastikschwan freundlich abgelehnt und mich im Labyrinth der Maze Bar verlaufen.

Ich war in der Laternenstadt Hoi An, habe liebe Menschen kennengelernt, in Homestays geschlafen, lokale Gerichte (White Rose, Cao Lau) an Straßenständen und bei Sternenköchen probiert, mich mit Seide eingekleidet, Tempel und Pagoden besichtigt, aufdringliche Verkäufer abgewehrt und bei vietnamesischen Studenten als Smoothie-Testerin erprobt. Ich habe mich in Reisfeldern verfahren und Wasserbüffel begrüßt, habe schrecklich einsame Resorts am Strand gesehen und noch einen schönen Fleck am Strand entdeckt und mit den Wellen getanzt. Das Mädchen, was mir ihr Bad in ihrem Haus anbot, fragte mich, ob ich alleine reise und sagte dann: „Happy Days“ und lächelte. „Warum?“ „Because you can do what you want“ Stimmt 🙂


In Hue habe ich den Komplex der kaiserlichen Zitadelle durchstreift, mich durch Mopedfahrer gekämpft, im Supermarkt Lotus-Samen, Soyanüsse, green tea chocolate und seaweed für unterwegs gekauft, mir auf dem lokalen Markt die Nase zugehalten und den Trubel aufgesogen.


In Ninh Binh lag ich in Hängematten vor Bambus Bungalows umgeben von Karstbergen, hatte das erste Mal Regen, konnte frische Luft auf dem Moped einatmen, habe die größte Pagode in Vietnam besucht, fand mich inmitten von Vietnamesen wieder und wurde zum beliebten Photoobjekt, war in Höhlen, habe Hochzeitspäärchen beim Shooting bestaunt, goldene Buddhas angeschaut, Stäbchen am Altar für Glück im neuen Jahr entzündet und die wahnsinnig schöne Aussicht genossen. Konnte mich ewig nicht zur Weiterfahrt entschließen und wurde überredet zum Bleiben, habe mit Schülern englische Konversationen geführt, neue Menschen getroffen, in der Olala Karaoke Bar wunderschön mit Vietnamesen und Deutschen Lieder geträllert, die Biersorten Tiger, Saigon und 333 probiert und mich schweren Herzen zum zweiten Mal vom Nguyen Shack verabschiedet.


Mit der Idee im Kopf, auf ein Boot ohne Touristen zu kommen, bin ich nach Halong City gefahren, das Unternehmen ging gründlich in die Hose. (Wenn man nicht auf die Boote mit Touren inklusive Bus aus Hanoi will, die alle fast gleichzeitig ankommen und mit engem Zeitplan die Buchtumseglung, Höhlenbesichtigung, Thai Chi, Kochkurs und Kayak all in one anbieten, sondern sich auf eigene Faust nach Halong City begibt, sieht man, was damit passiert. Ein öffentlicher Fähranleger für local boats existiert nicht mehr, stattdessen steht da ein schwimmendes Hotel mit privatem Anleger. Wo vorher die Strände 1 und 2 waren (ja sie heißen wirklich so) gibt es jetzt Absperrungen und Leinwände mit Hochglanzphotos. Was wird gebaut? Ein Amusementpark! Schon jetzt gibt es Konstruktionen, die eher an den Hamburger Dom erinnern, als an die bekannte Halong Bay. So sieht es hier aus und wird in Zukunft noch schlimmer… und Plastik an Plastik sammelt sich bereits im Wasser. Inzwischen gibt es einen neuen Anleger, der angeblich auch lokale Boote hat, von da aus kann man in die Bucht und dann rein ins Wasser und das sehen, was ich jetzt zwischen Bauzäunen wenigstens erahnen kann, was schon aus der Ferne so spektakulär und wunderschön aussieht.)
Dafür habe ich Anna kennengelernt, wir sind im local Bus für 0,28€ gefahren, haben mit einem Fischer Reiswein getrunken, auf der Straße beim Bier einen Englischkurs improvisiert und uns im Lokal mit Vietnamesen mit Mimiken und Gestiken unterhalten, die mit uns ihr Essen geteilt und Reiswein aus Kanistern angeboten haben. Im „Hotel“ habe ich im Keller geschlafen und konnte Ameisen beim Krabbeln beobachten.

Soviel, was ich gesehen und erlebt habe, soviel, was ich zeitlich nicht geschafft habe und noch gern gesehen hätte. Ich bin gewandelt zwischen Welten, als Backpacker im Sleeperbus ohne Schlaf und unschönen „Rastplätzen“, mit Essen teilen mit Vietnamesen in lokalen Imbissen und mit Reiswein anstoßen, auf Bordsteinen Kaffee trinken, in Schlafsälen mit Travellern die lauten Straßen ausblenden, auf dem Moped, auf dem Fahrrad, zu Fuß mit Flip Flops durch Reisfelder, über Märkte, auf Bergen, in Höhlen, auf Asphalt unter Kabeln, zwischen Müll und Nahrungsresten, knapp vorbei an Bussen, Autos, Mopeds und Rickshaws, barfuß in Bussen, Pagodas und Häusern. Auf der anderen Seite im Taxi, im Luxuskaufhaus, im Hotel mit TV und Wasserkocher, in der Cocktailbar auf der Terasse im 65. Stock, bei der Massage, bei der Anprobe von Seidekleidern. Du kannst alles haben, alles sein, für Essen 0,50€ oder für einen Cocktail 10€ ausgeben. Die Flip Flops gehen immer. Ich werde vor allem wegen meiner hellen Hautfarbe überall reingelassen, wegen meinen Augen fotografiert, wegen meinem Reichtum von vielen Händlern an der Straße angesprochen, von manchen nett begrüßt, von Kindern angelächelt und habe nicht nur verschiedene Welten gesehen, sondern auch erlebt und gelebt. Schlussendlich ein absolutes Privileg mit allen Vor- und Nachteilen. Ich könnte noch soviel schreiben… und habe noch so viele Anekdoten zu erzählen über Traditionen, das Leben im Jetzt, Verhaltenstipps für Reisende und und und… Am lebendigsten wird das beim Selbst Erleben oder ihr fragt mich und ich plaudere sehr gern 🙂

Von Verkostungen und Zwischenfällen

Meine Reise von Ho-Chi-Minh-City ins Mekong Delta und nach Dalat in Tagebuchform 🙂

 08.03., HCMC

Zum Frühstück gab es in der Bäckerei Sandwich mit Schinken und ein eclairs, dazu 4-layered coffee. Ich vergesse leider immer, dass es hier jeden Kaffee in hot und ice gibt, hab nicht aufgepasst und mit Eiswürfeln bekommen, war trotzdem lecker 🙂 Bei den Travel Agencies hab ich nach Möglichkeiten gefragt, nach Can Tho zu kommen. Die dritte ist es dann geworden – für 180.000VND (7,50€) alles zusammen. Also mit Tasche und Backpack aufs Moped und anstrengendem Muskelaufbau beim nach vorne lehnen aus Angst, hinten überzukippen…dann Umstieg an der Haltestelle – kleine Randbemerkung: mit dem ausgestreckten Arm und der Hand nach unten winken bedeutet „folge mir“, ich dachte es heißt warten 😉 Mit der zugesteckten Fahrkarte in der Hand in den Minibus und zur großen Bushaltestelle, dann Warten (irgendwann hab ich dann auch das System verstanden) und 30 Minuten später Schuhe aus und in den Plastikbeutel und ich liege im Schlafbus, klimatisiert, gratis Wasserflasche, Wlan und Musik. Man sollte nicht zu groß sein, dann wirds sehr eng. Nach 1 1/2h sind wir plötzlich zum Stehen gekommen und hatten einen unerwarteten Zwischenfall, erst heftiger Streit und dann hat von außen n anderer Fahrer das Fahrerfenster von unserem Bus zertrümmert 😳 Dann draußen weitere Diskussion, aber alle sind drin geblieben, also ich auch. Aber alles gut, hatten eine Pause und dort den Bus gewechselt, alle waren sehr hilfsbereit, eine Vietnamesin hat sogar deutsch gesprochen und ich liege im nächsten Bus 😊

 
09.03., Mekong Delta

4:45h aufgestanden, 5:30 mit dem Boot raus zum Floating Market den Händlern beim Alltag zugeschaut. Wir waren gegen 6 dort und der große Trubel vorm Morgen war schon vorbei, komplett andere Zeiten hier, Berge an Früchten auf großen und kleinen Booten, eine Pho vom einen Boot, den Kaffee vom anderen Boot gekauft, so ist das vietnamesische Frühstück 🙂 Gegen 9 hab ich mich spontan der Fahrradtour angeschlossen – die Schule, die Pagoda, eine Töpferei, eine Reis- und Reisweinfabrik mit Verkostung besucht und dann noch alleine rumgeradelt. Kinder rufen „Hello“ und geben dir High Five, an einer neu gebauten Brücke lassen sie Drachen steigen. Der Weg zurück war nicht ganz so leicht, war doch immer der Fluß im Weg und ich auf der falschen Seite. Es sind 30Grad, langsam wird es dunkler und die Moskitos sind aggressiv 🙂 Zum Abschluss des Tages gibt es den Cocktail „Crazy Coconut“ Reiswein mit Limette und Kokosnusssaft in der Kokosnuss, yihah!

 10.03., Mekong Delta

Heute habe ich den ganzen Tag so verbracht, wie man es öfter tun sollte: Rumliegen, heißen Kaffee trinken, Frühstücken, Buch lesen, Mango Shake trinken, Früchte essen, Photos machen, Tagebuch schreiben, Eis-Kaffee trinken, Natur bewundern, Reis mit Fisch essen, mit Backpackern und dem Personal plaudern, eine Fischmassage machen, Moskitos verscheuchen, mit den Hunden spielen, Wasser trinken. Der Abschied vom Mekong Delta fällt schwer, es war einfach nur super entspannend, unvorstellbar schön mit Obstplantagen, Palmen, Fluss, Bambushütten, Hängematten, super netten jungen Vietnamesen, ein Restaurant mit Bar und viel Nix Tun. 19:45 kommt das Taxi, 20:30 fährt der Bus. 

 

11.3.2017, Morgens 5:34

Eigentlich freut man sich ja, wenn eine Fahrt kürzer ist als erwartet, aber nicht, wenn man den Nachtbus nimmt und auf Schlaf hofft 😉 Wir sind zwei Stunden zu früh angekommen. Mit dem Motorroller in Flip Flops mit Jacke bei echter Kälte (9Grad?) zum Hotel, warum habe ich ausgerechnet jetzt ein Hotel gebucht, dass noch nicht geöffnet ist. Zum Glück wurde nach mehrmaligem Klingeln die Tür geöffnet und ich habe keine Ahnung, wie lange ich warten muss. Ich bin in den Highlands in Dalat und langsam wird es hell. Wieder der Liegebus, oben rechts am Fenster. Den Plan mit Stops hätte ich vorher gern gehabt, gerechnet hatte ich mit einer Pause nach 2h und den Rest der Tour ohne Stopp mit durchgängigem Schlaf…ja genau… erster Stopp war 00:47, die nächsten um 2:00, 3:00 und 5:30, plötzlich waren wir da. Man ist ja schon relativ abgehärtet durch die ganzen Reisen und freut sich, dass trotz des Nichtverstehens der Sprache (keiner konnte Englisch) alles geklappt hat und der Bus auch in der Pause nicht ohne mich gefahren ist 🙂 Schlafen konnte ich immerhin insgesamt bestimmt 3h.

7:30 ich sitze inmitten von Vietnamesen im gefüllten Vinh Loi und esse Pho Bo (Rind) für 30K VnD. Jede Pho, die ich bisher gegessen habe, ist anders, verschiedene Nudeln, verschiedene Brühe. 8:19 ich bin wieder vor dem Hotel, das Zimmer ist noch nicht fertig, mein Backpack steht drinnen in der Ecke, ich melde mich für die Secret Tour an, Start: 8:30. 

 
19:27 wir sind zurück von der Tour. Es war super interessant, auch schon deshalb, weil man nicht wusste, wo es als nächstes hin geht. 11 Gäste im Minivan plus Fahrer und Guide. Erster Stop: Foodfarm mit Krokodilen, Rehen, Stachelschweinen, Skorpionen, Mäusen, Krabbeltieren und zu probieren gab es Reiswein und Grashüpfer, klein und geröstet mit Dip…hab ich probiert und wenn man nicht das Tier – so wie es ist – auf dem Holzstocher aufspießt und in den Mund steckt, wüsste man nicht, was man isst. Es schmeckt chrunchy, aber eins reicht auch erstmal… Weiter zum Markt, nicht weniger „gewöhnungsbedürftig“ mit Fleisch bzw. allem, was ein Schweinen und Rindern so dran ist, ausliegend auf den Holztischen zum kaufen. Vom Geruch nicht zu reden, Luft anhalten… und ehrlich gesagt, habe ich Abstand gehalten, das ist so gar nix für mich. Weiter ging es zu den Elephant Waterfalls mit bombastischem Ausblick hinter dem Wasserfall auf glitschigen Steinen und natürlicher Sprühdusche 🙂 Ein kurzer aber heftiger Zwischenfall am Eisstand, nicht 10m von uns: plötzlich ist ein Typ in den Laden gerannt, hat eine Machete geholt und ist auf einen anderen losgegangen, 3 Leute haben ihn überwältigt, ich habe großen Abstand genommen. Einigermaßen erholt vom Schock haben wir mit Pho und vielen unbekannten, sehr leckeren Früchten unseren Hunger gestillt Dann ging es noch zur Seidenfabrik, Kaffeeplantage und in ein Dorf. Puh, was für ein Tag! Zu fünft sind wir dann in Dalat noch was essen und trinken gegangen.

 
01:02 Ich bin im Hotel und gehe ins Bett 🙂 

Chào Ho-Chi-Minh-City!

Woohoo so lange her, dass ich hier was geschrieben habe!!! Ich war die letzten Jahre seit dem letzten Eintrag auch unterwegs, aber anscheinend habe ich „nur“ mein Tagebuch in Buchform geführt 🙂 Ok, ich bin wieder online! 

Wo bin ich? Zweiter Tag in HCM Stadt, 23:15h, 27 Grad – ich sitze auf dem Balkon vom Hostel mit wunderschönem Ausblick auf die De Tham, also auf eine Straße im Backpackerviertel mit Motorroller- Geräuschen, Hupen, Hupen und Hupen. Dazwischen flackernde Lichter von Leuchtreklamen, Lampen und Bars, hängende Kabel, Wohnungen mit Bergen von Plastiksäcken auf dem Balkon, Pflanzen, Ventilatoren, schmale kleine und große Gebäude in unterschiedlicher Höhe. Ich bin im 2. Stock, unter mir kleine Läden, Essstände, ein Kiosk, Bars, Cafés und viele viele fahrende und stehende Motorroller. Das ist wohl der mit Abstand größte Unterschied zu meinen bisherigen Reisen. Es ist anstrengend, nicht nur die Geräuschkulisse und die Luft, sondern die Hektik und das nie Stillstehen und nie weniger werdende Aufkommen von fahrenden Vietnamesen. Das Laufen war anstrengend und auch wenn ich die Vorteile der großen Stadt genieße, so freue ich mich doch darauf, hier morgen wieder zu fliehen. Ich hatte gedacht, ich kenne mich aus im Überqueren von Straßen, war ich doch in Kairo und Indien, aber weniger die Autos und Busse, vielmehr die – man ahnt es schon – Mopeds machen meinen Füßen Angst. Links und rechts, quer durch, egal ob grün oder rot, keine Ampel, Zebrastreifen oder nicht, selbst auf Fußwegen habe ich die Flucht unter Bäume gesucht.


Das war Anlass genug, selbst aufs Moped zu steigen, nicht zum Fahren, ich habe spontanen eine Tour gebucht und saß hinten drauf. Verständlich wird dann schon, warum es so viele davon gibt – 8 Millionen hier, wurde mir gesagt. Es ist der schnellste Weg um vorwärts zu kommen, selbst fahren würde ich hier nie und auf den Moped-Taxis saß ich auch noch nicht. Abends mit 40km/h durch Saigon auf dem Moped, irre, schön, verrückt, schnell und gefühlt immer knapp vorbei an den anderen Mopeds. Mit Stops in District 4, 5, 6, 7 und 8, vom Chinatown über das hochmoderne Viertel der Expats bis hin zum District der besten Desserts. Hier bin ich in District 1, der Touristen-und Geschäftsbezirk. Insgesamt gibt es 24 in HCMC, es ist so riesig!! Die Tour war super und ging viel zu schnell vorbei und ich bin so satt, von vietnamesischen Pancakes, Milk Apples, Zuckerrohrdrink und Pudding. 

Und vorher habe ich einen „Spaziergang“ durch Old Saigon gemacht, 5h für eine gefühlte Ministrecke, aber dafür mit schönen Ecken und natürlich den obligatorischen Sehenswürdigkeiten wie der Notre Dame (hatte leider zu), dem alten Post Office und dem Reunification Palace, daneben habe ich die Stunden mit Verschnaufpausen in klimatisierten Shoppingmalls, Cafés, einer Bäckerei, einem Juice Shop, einem Restaurant, einer Buchhandlung… vorbei am Theater, am Fluß, an Hotels, an Straßenverkäufern, durch den Park und stehend zwischen Baustellen verbracht. Beim Laufen fällt auf, dass man sich einfach mal auf der falschen Seite befinden kann. Also nicht wirklich falsch, nur kommt man nicht mehr auf die gegenüberliegende Seite bzw. hat keine Lust, sich mal wieder durch die fahrenden Massen zu begeben. Oft genug muss man es doch und wie gesagt, es ist jedes Mal wieder eine kleine oder große Herausforderung 😉


Und die letzten „Tage“? Ich war in einer Bar, die genau gegenüber der Buffalo Bar ist, in der ich fast genau vor 5 Jahren war, war mit Kanadiern feiern, habe auf einer der zahlreichen hell erleuchteten Rooftopbars den Blick auf Teile der Stadt mit glänzenden Fassaden der Hochhäuser genossen, vietnamesischen Kaffee mit gesüßter Kondensmilch und die Biere Saigon und Tiger getrunken, Pho gegessen, Pandana Pudding und Green Tea Kit Kats probiert und versucht, mich zurechtzufinden. Wie schon gesagt, morgen fliehe ich aufs „Land“, auf ins Mekong Delta mit einem Bungalow am Fluss, wahrscheinlich Ruhe und Natur und ohne Mopeds 😉

¡Hasta luego!

Es ist 23:28, es sind 25 Grad und es ist Halbmond. Meine Haare sind größtenteils blond und ich bin in Panama City. Nach den ganzen Tagen und vielen Gedanken, die ich niederschreiben wollte, sind diese noch immer in meinem Kopf und nicht niedergeschrieben. Ich kann nicht glauben, dass in wenigen Stunden der Shuttlebus kommt und mich zum Flughafen bringt, wo ich dann knapp 4 Stunden warten werde und in den Flieger steige…

ich habe längst nicht alles von Panama gesehen, aber einen der schönsten Strände, ich war schnorcheln, habe mich im Wald verlaufen, habe mich im Bodysurfing versucht, Hot Springs erkundet, neue Reisebegleitung gefunden, habe im Hostel mit Pferd im Garten, Hühnern im Flur und Hund vor der Tür zugebracht und Nächte mit undichtem Dach verbracht. Ich bin in Panama City angekommen, die letzten Tage gab es mehr Regen als Sonnenschein und ich habe es geschafft, die Kleidung zu trocknen, so viele selbstverständliche Dinge, wie bspw. Wäsche waschen und trocknen, sind hier Erlebnisse 🙂

Heute hat es wieder geregnet und gedonnert und geblitzt, so dass wir durch das Wasser waten mussten, wie gut, dass es hier sauber ist und Du keine Angst vor merkwürdigen Dingen oder gruseligen Tieren haben musst, während Du mit Fliflops tiefer ins Wasser eintauchst, als gehofft. So richtig konnte ich die Stadt nicht erkunden, da wir heute erst angekommen sind und nicht so viel Zeit hatten. Wir wohnen im Viertel Casco Viejo, was sehr an Europa erinnert und haben einen fantastischen Ausblick auf die Skyline der Stadt mit ihren riesigen Wolkenkratzern. Ich hatte keine Vorstellung von der Stadt und auch jetzt noch nicht wirklich. Ich hatte gehofft, noch mehr zu sehen, doch vielleicht ist es nicht das letzte Mal, dass ich hier bin.

So schnell vergingen die letzten Tage, mein Tagebuch ist grad mal auf dem Stand von letzter Woche und ich möchte mich gar nicht an den Grenzübergang nach Panama erinnern, denn dieser gehört zu den, ich sage mal, unschönsten, die ich je erlebt habe…

Ich bin gespannt auf die kommenden Tage, bin gedanklich im Hier und Jetzt und hoffe, dass bleibt für eine Weile so. Der Versuch des Nichtplanens ist erfolgreich durchgeführt worden und ich kann es nur weiterempfehlen. Gerade jetzt weiß ich, was es heißt, im Moment zu sein…

Mit philosophischen Gedanken und dem Bewusstsein, mehr als nur etwas auf der Reise gelernt zu haben, verabschiede ich mich von hier, von Zentralamerika. Noch nicht offiziell und noch nicht für immer 🙂

On the road again

Wuhu, schon wieder ist fast ein Monat ist vergangen. Inzwischen bin ich in Costa Rica in Samara, sitze neben dem Pool, 100m vom Strand entfernt und die „Kids“ neben mir spielen Waterfall…ein Trinkspiel…

Achja, warum plötzlich Costa Rica? ich habe einen Flug gebucht, für den 6. Juni… von Panama aus. Der Flug ist kürzer und günstiger und ich bekomme neue Länder zu sehen 🙂 Deshalb befinde ich mich auch auf dem Weg in den Süden. Aber von Anfang an, und zwar im Schnelldurchlauf 🙂

First Days in Nicaragua

First Days in Nicaragua

Ich habe die Kälte und die Zeit des Alleinseins hinter mir gelassen und bin Anfang Mai mit Glenda von Antigua aus spontan nachts nach Nicaragua gefahren. Managua ist nicht wirklich sehenswert, von daher ging es schnellstens nach Leon, eine Stadt mit vielen Travellern, jugendlichem Vibe, Straßenständen, Bars… Ideal zum Erkunden ohne Stress, ohne alle 5Meter angequatscht zu werden, zum Entspannen im Parque Central, Genießen des Ausblicks von der Kathedrale aus, Erfrischen mit guten Smoothies und abendlichem Abschluss im Kino („leider“ in Englisch, aber dafür mit spanischen Untertiteln). Das Volcanoboarding, was anscheinend ein Muss ist, haben wir dann doch nicht mitgemacht, man muss ja nicht alles machen und viele haben uns gesagt, dass es gar nicht so aufregend sei, aber natürlich etwas, wovon man auch großartig erzählen könnte.

Leon

Leon

Nach Leon ging es nach Granada, worauf ich ehrlich gesagt, sehr gespannt und dann doch eher enttäuscht war. Es ist schwer zu beschreiben, die Kirchen und besonders die Kathedrale sind schon super interessant und nicht zu verachten, aber das Gefühl in der Stadt war irgendwie nicht so gut. Abends waren die Straßen leer und die Locals meinten, es sei gefährlich, raus zu gehen. Wir haben es also am ersten Abend gerade mal 10 Schritte weit geschafft, dann siegte das Bauchgefühl und wir sind umgekehrt. Seltsam… wenn man zur Calle Calzada geht, findet man sich in der Fußgängerzone wieder, mit Bars und Restaurants und Straßenmusikern… wenn ich also hier im teuren Viertel im Hotel wohne und die Straße und Kathedrale habe, ist die Stadt wunderschön. Aber wenn Du um die Ecke zum Markt gehst, siehst Du Dreck, wirst angequatscht und traust Dich nicht, viel Geld dabei zu haben. Es ist nicht wirklich gefährlich, aber auch nicht schön und wir haben uns krass unwohl gefühlt. Genauso ist es auch mit der Fußgängerzone: Die Einheimischen sagen, nach der zweiten Kreuzung solltest Du wieder umkehren…

Granada

Granada

Insgesamt haben wir also gar nicht so viel Zeit in der Stadt verbracht, was auch unter anderem daran liegt, dass es so heiß ist in der Stadt (Leon war noch wärmer). Wir sind zur Laguna Apoyo gefahren (ein See im Krater wunderschön und sehr zu empfehlen zum schwimmen und relaxen), haben eine Bootstour unternommen, und eine Fahrradtour gemacht und von daher überdecken diese schönen Momente jetzt die Erinnerungen and die Stadt an sich.

 

Weiter ging es nach San Juan del Sur, ein Surfertown, Gringoland, eine kleine Stadt mit Surfshops, Strand, Bars, Shops und Gringos – kaum Locals, die Einheimischen sind eher am Rand zu finden, hier weißt Du nicht, dass Du in Nicaragua bist, denn Du siehst das lokale Leben nicht. Hier dreht sich alles um Surfen, Coolsein, etwas auch ums Gutaussehen. Ich sage auch nicht, dass das schlecht ist, aber ich finde, man sollte nicht den Blick aufs Ganze verlieren. Ich genieße ja auch den Luxus, wir fahren zu zwei Stränden, ideal für Surfer, mit krassen Wellen, leider nicht so zum Schwimmen geeignet.

Isla de Ometepe

Isla de Ometepe

Danach ging es auf die Insel – die Isla de Ometepe mit den zwei Vulkanen mitten im Nicaraguasee. Ein Wort dazu: phantastisch! Die Stadt am Dock ist nicht spektakulär, aber die Playa Santo Domingo mit unserem Hotel direkt am Strand dagegen schon. Es ist so anders, im See zu schwimmen, besonders, nachdem Du im Ozean schwimmen warst. Das Wasser ist grün, die Wellen seicht und ich habe keinen Salzgeschmack im Mund. Es ist menschenleer, man merkt, dass wir in der Nebensaison sind und das ist auch gar nicht so schlimm. Im Comedor gibt es gutes Essen und wir entspannen mit Michelada (Bier mit Tomatensaft und Gewürzen) und unserem neuen Hobby Makramee im Hotel. Weiter gibt es auch nichts zu sehen, wirklich nicht. Strand, Sand, See, that’s pretty much it 🙂

El Zopliote, Isla de Ometepe

El Zopliote, Isla de Ometepe

Mit dem lokalen Bus gehts am nächsten Morgen (nach Warten am Straßenrand in der Hitze und heranwinken des Buses) zur Finca El Zopilote, gar nicht so weit entfernt von hier. Mit dem Backpack über steinige Wege hoch zur Finca zu laufen macht schon so keinen Spaß, aber erst recht nicht, wenn es so heiß ist, dass Du Schweiß in den Augen hast… Was für ein Gefühl, das erinnert mich stark an ein Festivalgelände und es wäre perfekt dafür geeignet mit Dorms in Hütten in der Natur, Yoga, Schmuckworkshops, hausgemachte Schokolade, leckeres gesundes Essen, Pizzaofen, Hängematten, Aussichts“türme“, Ökotoiletten (wer mehr darüber wissen möchte, kann mir gern schreiben), gefiltertes Trinkwasser umsonst und viel viel Freiraum und Platz. Super schön, hier kann man länger bleiben und wir treffen auch immer wieder Menschen, die genau das tun: länger bleiben. Neben Morgan’s Bar und der Tienda an der Ecke unten an der Straße gibt es nicht viel. Man findet ja auch alles im Hostel oder im Bookshopbus 🙂 Eine Wanderung unternehmen wir dann doch noch zu Inanitah, einem Kleinod, was auch wieder schwer zu beschreiben ist, eine Community mitten in der Natur mit der Dusche mit dem besten Ausblick auf beide Vulkane, den See und die Insel und einem Pool mit genau diesem Ausblick daneben. Ein komplett anderes Leben und Du kannst hier als Volunteer für mindestens 4 Wochen bleiben und musst Dich anstrengen, wieder zu gehen. Glenda bleibt übrigens hier und ich gehe. Ich kann mich gar nicht fragen, ob ich bleiben will, denn für mich gehts weiter.

I have a flight to catch. Was für ein Abenteuer 🙂 Überhaupt ein Abenteuer, weil ich so gar nichts plane und sich das immer erst spontan entscheidet, wo ich als nächstes bin. Und bisher läuft alles super. Das ist der Vorteil, wenn man Zeit hat und keinen Urlaub von zwei Wochen. Juhu!!!

Ok, zurück zum Thema, wenn Du noch bis hierhin liest, denn das ist wieder mal ein ziemlich langer Text geworden… Ich ziehe alleine weiter und überquere noch am nächsten Tag die Grenze nach Costa Rica (nach ca. 9h Trip mit stressigem Grenzübergang und mehr als 42$ weniger in der Tasche. Warum? Um in Costa Tica einreisen zu können, brauchst Du ein Ticket oder ähnliches als Ausreisebeweis. Mein Ticket von Panama nach Deutschland zählt nicht, meinte die Dame vom Schalter. Ja, nee, ist klar, ich werde also nach Panama reisen, aber nie Costa Rica verlassen!?! Dafür durfte ich mir dann ein Ticket für einen Bus von Costa Rica nach Panama von nur 42$ kaufen, obwohl ich noch gar nicht weiß, wann und wie ich nach Panama komme…was für ein Geschäft, dafür existieren also die Buden hier direkt vor der Immigration, ehrlich, genau dafür. Das hinterlässt ein gewaltiges Loch in der Reisekasse, soviel habe ich kaum für je einen Transport hier bezahlt…).

Von der Grenze aus fahre ich spontan nach Liberia, übernachte einmal (kaum Touristen oder Backpacker hier) und entscheide mich dann für Samara, nachdem ich morgens durch Zufall im Internet drauf gestoßen bin. Na dann, auf ins lokale Transportwesen 🙂

Ich habe es also geschafft, die Busse gefunden und befinde mich nun auf der Halbinsel in Costa Rica. Statt einer Nacht werde ich noch eine zweite hier in Samara verbringen. Ich weiß jetzt auch, warum Lonely Planet meint, dass nicht nur ein Expat für zwei Wochen hierher gekommen ist und für immer geblieben ist. Absolut zu empfehlen und ich freue mich so, dass ich hier bin, ein weiteres Kleinod, was ich nur empfehlen kann aber gar nicht groß bewerben will, damit es auch so bleibt.

Morgen geht es dann weiter mit dem Bus nach San José, nur, dass ich nicht nach San José will. Ich weiß noch nicht genau, ob Monteverde oder Montezuma mein nächstes Ziel sein wird, aber wie gesagt, das weiß ich ja auf meiner Reise fast nie, also schauen wir mal… (Das Transportwesen ist momentan deshalb so schlecht, weil Regensaison ist – aber zum Glück regnet es nicht – und die Straßen vom Fluss überschwemmt sind. Noch dazu ist Nebensaison und es gibt kaum Touristen. Das ist auch ein Abenteuer – wie komme ich von A nach B)

Kurz noch etwas zum Bussystem, weil ich grad dran denke. Costa Rica: je nachdem, welchen Bus man nimmt, ist das unterschiedlich, aber bisher ruft hier keiner das Ziel aus und keiner sitzt im Bus wartet darauf, dass es los geht, es gibt auch keinen Dachgepäckträger, stattdessen gibt es einen Ticketschalter und dann reiht man sich mit dem Ticket in der Hand in die Schlange vorm Bus ein…und wartet. Taxiausrufer und Verkäufer gibt es auch hier, sie schreien nur nicht ganz so laut wie in Guatemala. Ich saß in einem Bus, der hatte sogar einen Platz für einen Rollstuhlfahrer. Wenn man der Musik lauschen würde, wüsste man nicht, in welchem Land man ist, da gibt es kaum Unterschiede, wie ich das mitbekomme 🙂

In diesem Sinne zitiere ich Marc Anthony (dessen Song wir jetzt in und auswendig können und sogar ein Video unserer Karaoke gedreht haben – für 10€ zu erwerben ;)) “ Voy a reir, voy a bailar, vivir la vida lalalalala“ und verabschiede mich für heute, hier live aus Samara.

Interkulturelle Kommunikation in der Praxis

Xela im April

Xela im April

Willkommen zum Sonntag hier in Xela! Leider ist das Wetter trüb, der Himmel mit Wolken verhangen und kaum Sonne zu sehen. Gestern gab es ein HipHop Konzert, die Terrasse vom Hostel war voll von Teenagern und ich hab mich verkrümelt, schlafen konnte ich dann trotzdem erst sehr viel später, so dass ich heute ausgeschlafen habe.

Auf dem Weg zum Lieblingscafe, schon in Gedanken den Café Latte in den Händen und den Cheesecake vor mir, bleibe ich erschrocken stehen. Es ist zu!? Der garagentorähnliche Eingang ist verschlossen. Vielleicht ist das ein Zeichen, mal ein anderes Café auszuprobieren. Ich laufe rum und Ende schließlich im Baveria – Kaffee und Grill – das steht so auf Deutsch hier. Eigentlich etwas abschreckend, man will auf Reisen irgendwie nie in deutschen Cafés sitzen, aber das ist schon anders hier und super schön Innendruck mit Hunderten von Bilderrahmen mit Zeitungsausschnitten, Photos und Postern von Musikern und berühmten Leuten aus längst vergangenen Tagen. Ich trinke Milchkaffee und esse Crêpes mit Nutella und Erdbeeren, Mandeln und Sahne. Wuhu lecker!

Ich komme mir vor, wie in einer anderen Welt, um mich herum sind 60 Prozent der Tische besetzt – mit einzelnen Menschen, genau so wie ich sitzen die meisten hier allein mit ihrem Laptop oder Buch. Ein verliebtes Päärchen in der Mitte bildet die große Ausnahme. Es könnte ein Theaterstück sein, denn es ist so wirr und doch so real. Links neben mir sitzt eine Frau und telefoniert per Skype, rechts neben mir sitzen sich zwei Freundinnen gegenüber, unterhalten sich aber nicht, sondern tippen beide schweigend auf ihren Laptoptastaturen. Noch eine Ausnahme bilden eine Frau und Mädchen vor mir, sie unterhalten sich… Im TV läuft ein Fußballspiel, aber keiner schaut hin. Oh doch, ein Mann schaut zu, Nein, er bezahlt gerade und geht. Ich würde gern ein Photo machen, aber ich glaube, man kann sich das Bild jetzt hier einigermaßen gut vorstellen… Naja und ich sitze hier mit meinem Pad allein, falle also überhaupt nicht auf.

Morgen ist schon wieder Schule, irgendwie freue ich mich, dass es meine letzte Woche ist und ich dann weiterreise. Morgen wäre übrigens mein Abreisetag, ich bin noch am Verhandeln mit American Airlines zum Wechseln des Flugs…

Momostenango und Schule

Momostenango und Schule

Also Schule? Ja. Anstrengend und diese Woche ist dann auch nochmal einiges zusammen gekommen, dass ich mich gefragt habe, ob das überhaupt etwas bringt, dass ich hier bin… Donnerstag war einer von diesen Tagen, wo Du dich das fragst: Die von mir benutzen Marker an der Tafel waren nicht abwischbar, so dass ich später schrubben konnte… die Kinder haben mich mit Maismilch vollgespritzt und den Kampf mit dem Hund ums Brot hab ich mittags auch verloren… Und die Klassen sind so unterschiedlich, manche Kinder sind wirklich interessiert und machen mit, aber andere gar nicht und am Freitag brauchte ich dann auch ein Gespräch, nachdem in der letzten Klasse nicht nur die Kinder nicht mitgemacht haben und kein Lehrer da war, sondern die Kinder rumgesprungen sind und während ich kurz nicht in der Klasse war, sich auf meine Sachen gestürzt haben…

Das Gespräch wär hilfreich, wenn auch keine Besserung in Sicht ist. Ich hatte manchmal den Eindruck, dass jeden Tag etwas anderes gemacht wird, nur nicht Schule, denn es gab den Wettbewerb ums Singen, die Präsentation der Lesetechniken, diese Woche dann war ein Tag Tag der Eltern und am Freitag Réunion der Lehrer, weswegen sie auch später nicht in den Klassen waren. So ungefähr stimmt das auch, meinte mein Ansprechpartner. Bildung ist nicht so wichtig und einige Familien verstehen auch nicht das Konzept Schule, sie geben ihre Kinder nicht dahin, um etwas zu lernen, sondern damit sie nicht daheim sind und was zu Essen und Trinken bekommen. Viele Kinder sind auch immer noch daheim oder arbeiten und nicht in der Schule. Auch die Lehrer haben eine andere Auffassung vom Unterricht und die ganze Kultur ist natürlich so anders. Er meint, wenn ein Kind nicht zur Schule kommt, geht es zum Lehrer und sagt: „Ich komme morgen nicht.“, ohne um Erlaubnis zu fragen, es ist eine Feststellung. „Warum nicht?“, fragt der Lehrer. „Es gibt eine Fiesta.“ Mhmhmhm… Ja, als Beispiel. Ein weiteres Beispiel: Er meinte zu mir, dass manche Eltern auch keine Bücher kaufen, weil sie zu teuer seien, aber sie geben viel Geld für Kleidung der traditionellen Tänze und Feste aus und für all jenes, aber daheim und in der Schule laufen die Kinder dreckig rum mit kaputten Schuhen, verschlissener Kleidung und ungekämmtem Haar… Da als Lehrer etwas zu unternehmen, sei so schwer.

Er meint zu mir, wenn Du hier arbeiten willst, brauchst Du viel Geduld! Für mich habe ich momentan richtig richtig viel Geduld und trotzdem ist das sooooooo schwer und ich bin ja schließlich auch nicht hier, um die Kinder zu disziplinieren, ich bin ja kein Lehrer im eigentlichen Sinne, ich lehre Englisch auf eine spielerische Art und Weise, bin ein Zwischenstück zwischen Lehrer und Schüler und hätte ehrlich gesagt lieber kleine Klassen mit Schülern, die wirklich Englisch lernen wollen und nicht ganze Klassen, wo die Lehrer bzw. Praktikanten keine Ruhe reinbringen können und nur die Hälfte der Schüler interessiert ist. Ja meine Geduld ist da und ich bereite vor, habe viel über Englisch als Zweitsprache gefunden, habe Spiele zusammengestellt, Spielzeuge, Farben, aber all die Vorbereitung bringt nicht viel, wenn kaum einer mitmacht… Das ist so momentan das größte Manko, die fehlende Mitarbeit und Unterstützung, denn sobald ich in die Klasse gehe, lehnt sich der Praktikant mehr oder weniger zurück und lässt mich allein. Der Lehrer telefoniert auch mal eben in der Stunde oder geht raus oder unterhält sich mit dir vor der Klasse (in der Stunde)… Nunja, mit vielen Sachen kann ich mich arrangieren und habe kein Problem damit, es ist eben anders (und schließlich habe ich Interkulturelle Kommunikation studiert – jetzt ab in die Praxis 😉 ), aber manche Dinge sind dann eben doch schwer theoretisch erfassbar und praktisch immer wieder neu. Wäre sonst auch schade und nahezu langweilig, wenn alles wie in der Theorie glatt läuft…aber wie gesagt, ich kenne es jetzt und habe es mitgemacht und freue mich über die Erfahrungen, aber auch darüber, wieder gehen zu können.

Und sonst so? Musste mich diese Woche stoppen, laut auf der Straße los zu lachen, aber finde es sehr witzig, wenn der Club der anonymen Alkoholiker nicht nur am Haus groß den Namen und die Zeiten zum Treffen ranschreibt, sondern auch noch die Tür zum Saal zur Straße offen ist und jeder hineinschauen kann… Ich habe noch einen letzten Ort in Momos zum Essen, wo man mich allein lässt, in allen anderen bin ich etwas zur Attraktion geworden und mir werden immer Fragen gestellt, also ich bin jetzt „stadtbekannt“, naja ist auch nicht schwer hier ;)… Achja, meine Hose fängt an, sich selbst zu verlieren, erst sind die Schlagstücke am Hosenbein abhanden gekommen, jetzt löst sich langsam der Stoff oben… Ich bin also los zur Shoppingtour und habe nicht nur drei Shirts gekauft, sondern jetzt auch noch eine Jeans, für sagenhafte 10Q.! Wow. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich schon lange keinen richtigen, also großen, Spiegel hatte, zum Glück habe ich einen in meinem Bad, der ist allerdings klein, fürs Gesicht halt… Der Spiegel im „Geschäft“ war übrigens mittelgroß und leicht kaputt und deshalb hoffe ich einfach, dass das jetzt halbwegs ok aussieht mit der Jeans 😉 aber schließlich geht es auch mehr ums praktische als um die Schönheit… Oder?