Happy Days – vom Streetfood zur Top of Hanoi

25 03 2017

Die Reise neigt sich dem Ende zu und was gibt es besseres als ein Abschluss mit Mojito in der Bar „Top of Hanoi“! Die letzten Tage waren so vielfältig und sie gingen mal wieder viel zu schnell vorbei!

Jetzt bin ich in Hanoi, meiner letzten Station und habe gestern den Ausblick im 65. Stock vom Lotte Tower aus genossen. Nach einem Tag Gewöhnung an das hektische Stadtleben habe ich wieder gelernt, die Straßen zu überqueren, Händler abzuwinken, ein Taxi zu rufen und mich einigermaßen zurechtzufinden. Ich habe das Old Quarter durchstreift, viel Kaffee getrunken und liebe inzwischen Kaffee mit gesüßter Kondensmilch und Eiswürfeln. Ich habe Frauen bei Tai Chi am See beobachtet, beim Golf spielen mit Federbällen, wieder Tempel und Pagoden besucht, einen versteckten Tempel gefunden, im Hoa Lu Gefängnis Geschichte gesehen, eine Massage genossen und mit Studenten eines Englisch Kurses ein Interview auf Video festgehalten, zwei neue Facebook Freunde bekommen und vietnamesische Wörter gelernt. Ich habe Banh Mi, Wonton Nudeln, Salat getarnt als teures Gemüse mit Soya-Soße, Früchte, Reis-Eis und frittierte Süßigkeiten gegessen; gelernt, dass vegetarisch nicht gleich vegetarisch ist und erfahren, dass es hier 4D und 5D Kinos gibt.

Heute also wirklich letzter Tag. Ich saß eben noch in Hanoi am Gate 36 und hatte auf Wifi gehofft. Das gibt es, nur leider funktioniert es nicht… Heute morgen bin ich mit Na von Hanoifreetourguides unterwegs gewesen. Wir sind mit dem local Bus gefahren und haben Pho gegessen. Mein mehrmaliges Fragen nach Orten außerhalb des Old Quarters hat leider keinen Erfolg gebracht. Wir sind nicht weit rausgekommen. Ihre Antwort war leider immer „that’s too far, you can’t reach it,…“ sehr enttäuschend, gerade deshalb fand ich die Idee doch so toll, mit Studenten aus Hanoi unterwegs zu sein. Mhm… naja auf jeden Fall weiß ich jetzt, dass man im Bus seinen Rucksack nach vorn trägt und in jedem 7.000VnD bezahlt, sobald man in einen anderen Bus umsteigt, wieder 7.000VnD. Das war etwas ungünstig, wir haben drei Busse genommen, nicht viel mehr hätten wir fürs Taxi bezahlt. Besonders komisch, da zwei Vietnamesen uns andere Busse vorgeschlagen hatten, die direkt dahin fahren, mhm… Naja, wir sind dann im Temple of Literature gelandet und haben im Anschluss Kaffee getrunken. Ich glaube sie mochte mich nicht oder hatte keine Lust auf meine Fragen (ich hatte versucht, endlich mal n bisschen echte Konversation zu führen mit Diskussionspunkten und nicht wie üblich Fragen, wie „Where are you from, how long have you been in Hanoi, where have you been in Vietnam…“ zu beantworten. Gut, das hat nicht funktioniert 😉 Ab aufs per Über bestellte Moped zum Vietnamese Women’s Museum… 4 Stunden später: es ist 17:00. Ups – ich bemerke, dass der Plan mit noch ein Kaffee trinken, Souvenirs shoppen und Buch lesen mal wieder nicht aufgeht… also schnell rein zum Supermarkt, was kaufen, beim ersten ATM vor verschlossenem Tor stehen, beim Zweiten kein Geld bekommen und dann beim Dritten bei der Citybank ganze 60.000VnD Gebühren bezahlen, Kindern bei der Probe des Tanzes zum morgigen Earth Day zusehen, durch die Mopeds schlängeln, durchatmen, Backpack nochmal auf- und zumachen, frittierte Schweinestücke essen, Pass nehmen, Homestay bezahlen, mit dem Neffen unterhalten, zum 100sten Mal checken, dass ich alles habe, Backpack in den Kofferraum vom Auto werfen, einsteigen, Schuhe zubinden, durchatmen, noch einmal durch Hanoi fahren, zum Check-In gehen, Gepäck aufgeben, durch die Security und Immigration, zum Gate, noch die letzten Dong im Souvenirshop ausgeben, am Gate warten, in den Flieger einsteigen und… jetzt sitze ich hier, in der B777-300, Platz 20K, draußen sind 25 Grad, gleich gehts los… 
Solltest Du noch Leselust haben, hier noch der Schnellablauf der letzten Tage 🙂


In Dalat habe ich gewundene Treppen rund um das Crazy House bestiegen, meinen Mund beim Staunen über die Vielfältigkeit der Architektur kaum zubekommen, die größte Dalat-Weinflasche photographiert, fand mich wieder zwischen Selfiesticks im kitschigen Flowergarden, habe eine Fahrt in der Cinderella Kutsche und dem Plastikschwan freundlich abgelehnt und mich im Labyrinth der Maze Bar verlaufen.

Ich war in der Laternenstadt Hoi An, habe liebe Menschen kennengelernt, in Homestays geschlafen, lokale Gerichte (White Rose, Cao Lau) an Straßenständen und bei Sternenköchen probiert, mich mit Seide eingekleidet, Tempel und Pagoden besichtigt, aufdringliche Verkäufer abgewehrt und bei vietnamesischen Studenten als Smoothie-Testerin erprobt. Ich habe mich in Reisfeldern verfahren und Wasserbüffel begrüßt, habe schrecklich einsame Resorts am Strand gesehen und noch einen schönen Fleck am Strand entdeckt und mit den Wellen getanzt. Das Mädchen, was mir ihr Bad in ihrem Haus anbot, fragte mich, ob ich alleine reise und sagte dann: „Happy Days“ und lächelte. „Warum?“ „Because you can do what you want“ Stimmt 🙂


In Hue habe ich den Komplex der kaiserlichen Zitadelle durchstreift, mich durch Mopedfahrer gekämpft, im Supermarkt Lotus-Samen, Soyanüsse, green tea chocolate und seaweed für unterwegs gekauft, mir auf dem lokalen Markt die Nase zugehalten und den Trubel aufgesogen.


In Ninh Binh lag ich in Hängematten vor Bambus Bungalows umgeben von Karstbergen, hatte das erste Mal Regen, konnte frische Luft auf dem Moped einatmen, habe die größte Pagode in Vietnam besucht, fand mich inmitten von Vietnamesen wieder und wurde zum beliebten Photoobjekt, war in Höhlen, habe Hochzeitspäärchen beim Shooting bestaunt, goldene Buddhas angeschaut, Stäbchen am Altar für Glück im neuen Jahr entzündet und die wahnsinnig schöne Aussicht genossen. Konnte mich ewig nicht zur Weiterfahrt entschließen und wurde überredet zum Bleiben, habe mit Schülern englische Konversationen geführt, neue Menschen getroffen, in der Olala Karaoke Bar wunderschön mit Vietnamesen und Deutschen Lieder geträllert, die Biersorten Tiger, Saigon und 333 probiert und mich schweren Herzen zum zweiten Mal vom Nguyen Shack verabschiedet.


Mit der Idee im Kopf, auf ein Boot ohne Touristen zu kommen, bin ich nach Halong City gefahren, das Unternehmen ging gründlich in die Hose. (Wenn man nicht auf die Boote mit Touren inklusive Bus aus Hanoi will, die alle fast gleichzeitig ankommen und mit engem Zeitplan die Buchtumseglung, Höhlenbesichtigung, Thai Chi, Kochkurs und Kayak all in one anbieten, sondern sich auf eigene Faust nach Halong City begibt, sieht man, was damit passiert. Ein öffentlicher Fähranleger für local boats existiert nicht mehr, stattdessen steht da ein schwimmendes Hotel mit privatem Anleger. Wo vorher die Strände 1 und 2 waren (ja sie heißen wirklich so) gibt es jetzt Absperrungen und Leinwände mit Hochglanzphotos. Was wird gebaut? Ein Amusementpark! Schon jetzt gibt es Konstruktionen, die eher an den Hamburger Dom erinnern, als an die bekannte Halong Bay. So sieht es hier aus und wird in Zukunft noch schlimmer… und Plastik an Plastik sammelt sich bereits im Wasser. Inzwischen gibt es einen neuen Anleger, der angeblich auch lokale Boote hat, von da aus kann man in die Bucht und dann rein ins Wasser und das sehen, was ich jetzt zwischen Bauzäunen wenigstens erahnen kann, was schon aus der Ferne so spektakulär und wunderschön aussieht.)
Dafür habe ich Anna kennengelernt, wir sind im local Bus für 0,28€ gefahren, haben mit einem Fischer Reiswein getrunken, auf der Straße beim Bier einen Englischkurs improvisiert und uns im Lokal mit Vietnamesen mit Mimiken und Gestiken unterhalten, die mit uns ihr Essen geteilt und Reiswein aus Kanistern angeboten haben. Im „Hotel“ habe ich im Keller geschlafen und konnte Ameisen beim Krabbeln beobachten.

Soviel, was ich gesehen und erlebt habe, soviel, was ich zeitlich nicht geschafft habe und noch gern gesehen hätte. Ich bin gewandelt zwischen Welten, als Backpacker im Sleeperbus ohne Schlaf und unschönen „Rastplätzen“, mit Essen teilen mit Vietnamesen in lokalen Imbissen und mit Reiswein anstoßen, auf Bordsteinen Kaffee trinken, in Schlafsälen mit Travellern die lauten Straßen ausblenden, auf dem Moped, auf dem Fahrrad, zu Fuß mit Flip Flops durch Reisfelder, über Märkte, auf Bergen, in Höhlen, auf Asphalt unter Kabeln, zwischen Müll und Nahrungsresten, knapp vorbei an Bussen, Autos, Mopeds und Rickshaws, barfuß in Bussen, Pagodas und Häusern. Auf der anderen Seite im Taxi, im Luxuskaufhaus, im Hotel mit TV und Wasserkocher, in der Cocktailbar auf der Terasse im 65. Stock, bei der Massage, bei der Anprobe von Seidekleidern. Du kannst alles haben, alles sein, für Essen 0,50€ oder für einen Cocktail 10€ ausgeben. Die Flip Flops gehen immer. Ich werde vor allem wegen meiner hellen Hautfarbe überall reingelassen, wegen meinen Augen fotografiert, wegen meinem Reichtum von vielen Händlern an der Straße angesprochen, von manchen nett begrüßt, von Kindern angelächelt und habe nicht nur verschiedene Welten gesehen, sondern auch erlebt und gelebt. Schlussendlich ein absolutes Privileg mit allen Vor- und Nachteilen. Ich könnte noch soviel schreiben… und habe noch so viele Anekdoten zu erzählen über Traditionen, das Leben im Jetzt, Verhaltenstipps für Reisende und und und… Am lebendigsten wird das beim Selbst Erleben oder ihr fragt mich und ich plaudere sehr gern 🙂